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Die Stanley-Parabel

07.09.2011 | 10:30 Uhr | von Dienstbier
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Seite 1 | 13 Kommentare
   
Die Stanley-Parabel Sie hat bei den Gelehrten schon längst den Kulturpokal gewonnen, PC Games huldigt sie als die „wohl kreativste Mod für Valves Ego-Shooter“ und auch die englische Presse schien sich für einen Moment gar nicht mehr einkriegen zu können. Es geht um The Stanley Parable, eine kürzlich erschienene Mod für die Source Engine. Als eines der ersten großen Magazine schrieb Kotaku.com noch am Release-Tag über die kleine Modifikation von Davey Wreden und brachte die Erfolgsgeschichte in Gang.



Beim Anschauen des Trailers oder der in diesem Artikel verteilten Bilder entstehen zwangsläufig gewisse Zweifel, ob der Hype um diese Modifikation mit ihren kantigen Räumen und altbackenem Standard-Content tatsächlich eine Rechtfertigung finden könnte. Betrachtet man The Stanley Parable unter den üblichen Bewertungskriterien eines Computerspiels, so wird man derbe enttäuscht. Man könnte fast sagen, es entleihe sich lediglich eine essentielle Komponente der Artgenossen, die Interaktion mit der Umwelt durch den Spieler. The Stanley Parable ist nur bedingt mit Titeln wie Dear Esther zu vergleichen, letzterer will nur im Rahmen der Art und Aufmachung revolutionieren, tastet die Grundsätze der klassischen Erzählweise jedoch nicht an.


Nichts für Entscheidungsschwache: The Stanley Parable

Wer ist eigentlich Stanley und was ist eine Parabel?

Stanley scheint zunächst nichts weiter als ein gewöhnlicher Arbeiter zu sein, der, zusammen mit vielen anderen seiner Sorte, in einer großen Firma arbeitet. Er hat sein eigenes Büro mit einem Kontrollpult und einem Monitor, der ihn über seine aktuelle Aufgabe unterrichtet. Weiterhin beschrieben wird Stanley als eine austauschbare Persönlichkeit, die keine besonderen Wünsche hat, im Leben nicht weiterkommen möchte. Weil er sein Leben lang fremde Befehle entgegen genommen hat, treibt ihn das plötzliche Ausbleiben neuer Aufgaben in die Verzweiflung.


Stanley wird vom Erzähler in die Freiheit geführt.

Das Wort Parabel hat seinen Ursprung im Griechischen, ist mit „Gleichnis“ zu übersetzen und beschreibt im Allgemeinen eine kurze Geschichte, an deren Ende ein Lerneffekt einsetzen soll. Charakteristisch ist eine implizierte Meinung des Erzählers, die sich aus einer vordergründigen, einfachen Geschichte erschließt, also nur durch Abstrahieren der Geschehnisse erkennbar wird. Die gedachte Parabelform stellt den Übergang zwischen den beiden Ebenen dar.

Wie passt das ganze jetzt zusammen? Nun, The Stanley Parable erzählt eine solche Kurzgeschichte, mit dem Unterschied, dass wir es in der Hand haben, wie sich der Protagonist verhält.


Bespitzelung im großen Stil, ein Skandal.
Wie du's auch machst, machst du's verkehrt.

Das Spielziel der Mod ist recht schnell erklärt: Es gibt keines, zumindest keines, das sich erreichen lässt, und das hat Wreden auch nicht vergessen zu betonen. Der Erzähler schmettert es uns sogar direkt ins Gesicht: „Ich wette, Du suchst gerade nach einer Lösung zu diesem Rätsel, aber es gibt keine. Du bist nur der kleine Held, der herausfindet, dass er keine Chance zum Überleben hat.“ und als der Abspann über den Schirm flimmert, bedankt sich der Autor ironisch bei uns dafür, „dieses Videospiel gespielt zu haben“. Es gibt keine Waffen, keine Geschicklichkeitsaufgaben, der arme Stanley kann nicht einmal springen, eigentlich machen wir ja doch nur, was der Erzähler will.

Wiederspielwert hoch sechs

Wieso also The Stanley Parable spielen? Weil es doch irgendwie gehen muss! Mal angenommen wir durchlaufen die Story beim ersten Mal genau so, wie der Erzähler es will - und das ist nicht ganz unwahrscheinlich, denn er verheißt schließlich die Freiheit und vielleicht sehen wir dann ja endlich mal gute Grafik -, dann landen wir am Ende in dieser sogenannten Freiheit, der wohl pixeligsten Freiheit, die man sich vorstellen kann und dürfen uns von unserem Erzähler Honig um den Bart schmieren lassen. Und ungefähr jetzt, vielleicht auch erst, wenn man schon wieder auf dem Desktop ist, setzt dieses Gefühl ein, an der Nase herumgeführt worden zu sein. Ein Spiel, das es sich erlaubt, uns vorzuschreiben, was wir zu tun und vor allem, was wir zu lassen haben.


Die Freiheit oder nur der alte Käfig im neuen Gewand?

Da macht sich selbstverständlich Empörung breit, so leicht lassen wir uns nicht abfertigen. Also gehen wir dieses Mal nicht nach links, sondern nach rechts, fahren mit dem Fahrstuhl nach unten und nicht nach oben. Mit jedem der sechs Enden entfaltet sich ein weiteres Blatt dieses aufblühenden Konstrukts eines zur Weißglut getriebenen Erzählers und dessen frecher Hauptfigur. Wer es auf die Spitze treibt, landet in einem unfertigen Teil der Karte und wird vom Erzähler sogar in ein völlig anderes Level verfrachtet, der alte ist hartnäckig. Es wird nach und nach deutlich, dass es im Machtkampf zwischen Stanley und dem scheinbar allmächtigen Erzähler keinen Gewinner gibt.


In der surrealen Welt einer nicht vorgesehen Handlung.

Und die Moral von der Geschicht?

Die Lehre am Ende dieser Parabel erscheint recht eindeutig vor dem Hintergrund des eigentlichen Handlungsstrangs. Der eigene Lebensweg wird stets durch andere vorbestimmt und die Befreiung aus der einen Definition führt nur in die nächste. The Stanley Parable beschäftigt sich mit der Freiheit in ihrer rohesten Form. Das besondere an dieser speziellen Geschichte - und da gilt es unsere erste Erkenntnis wieder aufzugreifen - ist die Interaktivität. Sie hätte nämlich auch mit nur einem Finale funktioniert, dem eigentlich vorgesehenen. Doch nur durch fünf weitere Enden ergibt sich das eigentliche Subjekt der Geschichte. Der Erzähler selbst wird zum Erkenntnisgegenstand, er wird sogar durch eine dritte Instanz überführt. „Es gab keine Rettung, für keinen von beiden. Der Erzähler hatte seine Macht über Stanley und Stanley über seinen Weg, den er wählte.“

"Thank you for playing this video game!"

Fazit

The Stanley Parable wirbelt das gewohnte Gefüge der Struktur aus Anfang, Katastrophe und Ende komplett durcheinander und verhöhnt geradezu das Heldenmärchen, was uns nicht nur in tausenden Romanen hinterher geschmissen wird, sondern auch in jedem salonfähigen Film zum Einsatz kommt und, in seinem Kern unverändert, auch von der Videospiel-Branche aufgenommen wurde. Davey Wreden hat nicht nur seine eigene Erzählform, die sich verzweigende Stanley-Parabel, entworfen, sondern schießt gleichzeitig auch Millionenprojekte wie Call of Duty gnadenlos ab. Er provoziert geradezu, die Möglichkeiten dieses speziellen, interaktiven Mediums mit seiner interagierenden Hauptfigur zu nutzen und zeigt auf, wie interessant so ein Experiment sein kann. Dieses Spiel zeigt mit seinem genialen Drehbuch, ausgelebt durch den brillanten Sprecher Kevan Brighting, das Potential des Mediums Computerspiel.

von Dienstbier

   
 
   
Links:
- The Stanley Parable auf HLPortal.de
- Mod-Homepage
- Blog von Davey Wreden



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