HALF-LIFE PORTAL
Your Gate To Valve's Games www.hl-forum.de
PORTAL
FORUM
LOGIN
User oder E-mail:


Passwort:


oder
Registrieren
Passwort vergessen?
OpenID-Login
MISC
PARTNER

TF2 Crafting

Special Artworks by
Hayungs

Link us:
HL PORTAL

Support us:


HLPortal
auf Facebook

›› Willkommen!   ›› 87.063.376 Visits   ›› 18.318 registrierte User   ›› 21 Besucher online (0 auf dieser Seite)
23.786 Themen, 325.141 Beiträge  
    FORUM 

Thema-Ansicht


Forum > Community > Art Board > [beendet] Alfred und die Abluft
Status: Offen
116 Beiträge
Letzter Beitrag Seiten (8):  « 1 [2] 3 4 ... 8 »


Autor Beitrag
# 16
Nachricht offline
Bullsquid
1.224 Punkte
Dabei seit: 16.03.2008
287 Beiträge
Einfach nur hammer geil.
Sehr gute Geschichte Lamarr.
Etwas "anders" aber sehr geil.

Solch Geniale Köpfe fehlen oft.
26.07.2008, 16:34 Uhr Anzeigen
# 17
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Danke für dein dickes Lob! Genauso "anders" wird es auch weitergehen. Bleibt dran. ^^
Spätestens nächste Woche kommt was Neues, denke ich.
26.07.2008, 16:52 Uhr Anzeigen
# 18
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Es geht weiter! Yay! Dieser Abschnitt erfordete etwas mehr Bedenktzeit, aber ich denke, so wie es jetzt weitergeht, bleibt die geschichte umsomehr das, was sie ohnehin schon ist: Einzigartig.


Und all diese Rohre! Kreuz und quer durchzogen sie den Raum, ohne erkennbares Muster, ohne Ziel. Manche von ihnen hingen schlaff durch, schienen nur aus einer langen, von dünnem Gummi ummantelten Stahlspirale zu bestehen, während anderem aus solidem, blankem Stahl waren, dick wie Baumstämme und in regelmäßigen Abständen mit einem Barometer versehen.
Der Anblick dieses Raumes war so überwältigend, dass Alfred all seine Angst vergaß und nichts weiter tun konnte, als wie gelähmt da zu stehen und mit offenem Munde diese irreale Szenerie in sich aufzusaugen. Auch sein verstand war ohne Bewegung, wie ein Bergsteiger auf einer schmalen Klippe, der abzustürzen droht, sollte er zu viel wagen.
Es dauerte, bis Alfred wieder zu sich kam – wie lange vermochte er nicht zu sagen.
Und plötzlich keimte in ihm dieselbe Neugier auf, die ihn schon dazu getrieben hatte, überhaupt erst das Kellergeschoss des Kaufhauses zu betreten. Was würde er finden, wenn er diese Stufen emporstieg? War es eine Prüfung Gottes? War es womöglich die Hölle selbst?
Zweifelsohne hatte noch nie ein Mensch zuvor diese Hallen betreten und es war unmöglich zu erahnen, was ihn in ihren Tiefen und Höhen noch erwarten würde.
Langsam und ohne sich noch einmal umzudrehen – schließlich gab es eh kein Zurück – ging er auf die breite Treppe zu, die er als erstes gesehen hatte. Auch aus der Nähe verlor sich der Eindruck ihrer Vollkommenheit nicht. Er war sich sicher: Hätte man diese Treppen mit einem Lasermessgerät vermessen, wäre man auf exakt glatte und sich wiederholende Werte gekommen. Jede Treppenstufe glich der Vorherigen aufs Genaueste und erzeugte beim Begehen ein sattes, volles Geräusch, dass Alfred sofort mit den Atrien luxuriöser Hotels assoziierte.
Dann ging er schneller, Stufe um Stufe flog unter ihm vorbei. Er kam sich verloren vor, aber die Neugier und das Gefühl, tatsächlich etwas finden zu können, gaben ihm Halt. Nach einigen Minuten monotonen Laufens endete die Treppe auf einer großen, rechteckigen Plattform, auf der mehrere Autos Platz gefunden hätten. Verglichen mit den Dimensionen des Raumes jedoch wirkte sie wie eine Insel im Meer. Zu den drei Seiten um Alfred herum gingen jeweils weitere Treppen ab: Die zu seiner Rechten war so breit, wie diese Seite der Plattform selbst, die zu seiner linken ungefähr halb so breit und die Treppe direkt vor ihm war lächerlich schmal, sie maß von der einen Kante zur anderen vielleicht dreißig Zentimeter.
Doch ein weiterer entscheidender Faktor unterschied sie von den anderen beiden: Sie war die einzige Treppe, die nicht plötzlich nach einer mehr oder weniger langen Distanz in der Luft endete. Alfred hatte es gleich gesehen, aber kaum wahrhaben wollen, denn es bedeutete entweder umkehren oder sich auf diese lebensgefährlich schmale Treppe wagen zu müssen – beides keine verlockenden Optionen.
Daher beschloss er zuerst nach rechts zu gehen und die breiteste Treppe zu erklimmen, da sie eindeutig länger war als die zu seiner Linken – vielleicht konnte er sich von dort oben ein Bild verschaffen oder sich womöglich sogar auf eine andere Plattform oder Treppe fallen lassen, sofern denn eine nahe genug war.
Er war schnell am Ende der Treppe angelangt, die sie nur rund fünfzig Stufen lang war. Dennoch war die Aussicht atemberaubend. Den Boden konnte er noch klar erkennen, aber trotzdem verspürte er sofort den lähmenden Würgegriff der Höhenangst. Das Schachbrettmuster schien vor seinen Augen zu wabern. Er trat einen Schritt zurück, um nicht mehr bis ganz nach unten sehen zu können. Zwar konnte er den Weg nachvollziehen, den er bis jetzt gegangen war, doch ansonsten war er nicht in der Lage, irgend eine Struktur, die er vom Boden aus gesehen hatte, wieder zu erkennen. Das war angesichts der Reizüberflutung beim Betreten des Raumes nicht verwunderlich, aber früher oder später würde er mehr Acht geben müssen, um eine ungefähre Richtung beizubehalten und nicht auf irgendeine Weise im Kreis zu laufen. Diese Richtung war zunächst einmal ganz einfach: Nach oben.
Einen knappen Meter unter seiner aktuellen Position verlief eines der zahllosen Abluftrohre. Es war jedoch nicht wie viele andere waagerecht oder senkrecht, sondern stieg in einem 45-Grad Winkel schräg nach oben. Alfred war entzückt, als er bemerkte, dass es in regelmäßigen Abständen kleine Klappen aufwies, die man sicher leicht öffnen konnte. Er folgte ihm mit dem Blick in die Höhe. Nach einer weiten Distanz knickte es nach links ab – und traf auf die schmale, gefährliche Treppe, die ihn womöglich nicht nur in ungeahnte Höhen führte sondern auch endlich zu einem zugänglichen Abluftrohr, welches an dieser Kreuzstelle in einer perfekten Höhe von ungefähr Ein Meter Fünfzig über der Treppe zu schweben schien.
29.07.2008, 13:40 Uhr Anzeigen
# 19
Nachricht offline
Bullsquid
2.503 Punkte
Dabei seit: 21.02.2006
661 Beiträge
1. Ich hätte eine der Gurken gegessen. Schon weil sie sich bewegen. Ist bestimmt geil.
2. Ich habe auch mal an einer Wand geleckt, Putz schmeckt mir nicht. Hundekuchen schon (schmecken wie Butterkekse).
3. Du hast den armen Alfred einmal Walter genannt. Oder bin ich bekloppt?
4. Alte Akten finde ich hoch interessant. Vielleicht stehen da ja die PLU-Nummern von Volksempfängern drin *hust*. :ugly:
5. Irgendwie interessant zu lesen. Ich wüsste jetzt gerne, wo die Treppen hinführen. Haste fein gemacht.
[Beitrag wurde 2x editiert, zuletzt von Frisky am 31.07.2008, 03:20]
31.07.2008, 03:17 Uhr Anzeigen
# 20
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Zitat:
Original von Frisky

1. Ich hätte eine der Gurken gegessen. Schon weil sie sich bewegen. Ist bestimmt geil.
2. Ich habe auch mal an einer Wand geleckt, Putz schmeckt mir nicht. Hundekuchen schon (schmecken wie Butterkekse).
3. Du hast den armen Alfred einmal Walter genannt. Oder bin ich bekloppt?
4. Alte Akten finde ich hoch interessant. Vielleicht stehen da ja die PLU-Nummern von Volksempfängern drin *hust*. :ugly:
5. Irgendwie interessant zu lesen. Ich wüsste jetzt gerne, wo die Treppen hinführen. Haste fein gemacht.


ja, da ist mir einmal ein Fehler unterlaufen und habe statt "Alfred" "Walter" geschrieben, weil der protagonist einer früheren geschichte so hieß.
Danke fürs Lesen schonmal. ^^

Edit: Beitrag Nr. 700
[Beitrag wurde 1x editiert, zuletzt von Lamarr am 31.07.2008, 15:19]
31.07.2008, 14:53 Uhr Anzeigen
# 21
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Tut mir leid, ich hatte selber den Überblick verloren, was ich schon gepostet hab udn was nicht. Schande über mich. :redface:
[Beitrag wurde 2x editiert, zuletzt von Lamarr am 04.08.2008, 00:00]
03.08.2008, 20:02 Uhr Anzeigen
# 22
Nachricht offline
Bullsquid
2.503 Punkte
Dabei seit: 21.02.2006
661 Beiträge
Das steht doch da oben schon?
03.08.2008, 20:48 Uhr Anzeigen
# 23
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Hat lange gedauert, ich weiß... ^^


Er wollte es sich selbst noch nicht eingestehen, aber innerlich hatte er bereits den Entschluss gefasst, die schmale Treppe emporzusteigen. Weniger, weil es die einzige von dreien war, die ihn weiter bringen würde, sondern vielmehr, weil er sich auf diesem Wege endlich an der so unbedingt benötigten Abluft erlaben können würde.
Zögerlich ging er wieder auf das Podest zurück und steuerte auf die schmale Treppe zu. Bei diesem Anblick musste er einmal wieder den Kopf schütteln. Das ist doch unmöglich, sagte er laut und erschrak sogleich, denn seine Stimme hört sich in diesem endlos großen Raum unsagbar schwach und brüchig an. Mit einem Mal überkam ihn das Gefühl, er befände sich in einem Traum, während sein Körper völlig von der Realität entkoppelt reglos da lag – vielleicht noch in der Ecke, wo er zusammengebrochen war, vor vielen, vielen Jahren. Er war nichts weiter als eine Puppe Gottes, ein Spielzeug, weggeworfen und vergessen.
Kurz schloss er die Augen und nahm allen Mut zusammen, um dann den Fuß auf die erste Stufe der Treppe zu setzen, die so eigentlich unmöglich existieren konnte. Wie er es schon vorher beobachtet hatte war in der Konstruktion keinerlei Vibration oder Schwankung zu spüren – die Stufe war stabil wie ein Felsen. Immer mehr bekam er den Eindruck, dass die Bauten an diesem Ort keinen statischen Gesetzen gehorchten.
Unweigerliche senkte er den Kopf und sah nach unten – ein Fehler. Sofort begann sein Herz zu rasen und ihm wurde schwindelig. Die Höhe war überwältigend und die schwarz-weißen Kacheln des Bodens nur noch als Graue Suppe zu erkennen, die sein Auge nicht genau auflösen konnte. Dazu kam, dass die Treppe so entsetzlich schmal war… Für einen kurzen Moment schloss er instinktiv die Augen – vor der Schwärze seiner Augenlider leuchtete das Muster des Bodens in pulsierendem Grün auf, als hätte es sich in seine Netzhaut eingebrannt.
Alfred taumelte und wäre beinahe umgekippt, hätte er sich nicht sofort auf die Knie fallen lassen, was ihm schmerzhafte Explosionen in den Knien bescherte, denn sie trafen genau auf die Kante einer Treppenstufe. Sein Atem ging schnell und stoßweiße, während schwarze Punkte vor seinen Augen tanzten.
Nur nicht noch einmal heruntersehen, sagte er zu sich selbst und beschloss, sicherheitshalber noch ein wenig sitzen zu bleiben. Völlig bewegungslos verharrte er auf der Treppe, die er noch nicht besonders weit hinaufgestiegen war. Mit zusammengekniffenen Augen suchte er die Wände des Raumes nach Türen oder Ausgängen ab. Die einzige Öffnung, die er erblicken konnte, war die von hier noch kaum auszumachende Tür, durch die er den Raum betreten hatte. Sie schien ihm unerreichbar fern. Von seiner jetzigen Position konnte er nur das zu ihm näher liegende Ende des Raumes überschauen, das andere war nicht auszumachen. Zu viele Treppen, Plattformen und Stege durchzogen das Sichtfeld.
Ein laut vernehmbares Knurren seines Magens erinnerten ihn daran, dass er womöglich bald ernsthafte Probleme bekommen würde, sollte er nicht irgendetwas Essbares auftreiben können. Und in dieser sterilen, surrealen Umgebung erschien ihm das äußerst unwahrscheinlich. Zu seiner großen Überraschung bereitete ihm diese Tatsache allerdings nicht die Angst, die für eine solche Situation normal gewesen wäre – er nahm es gelassen hin, ohne zu wissen, woher er diese innere Ausgeglichenheit nahm. War es dieser Ort an sich? betäubte diese Monotonie des Raumes mittlerweile schon sein Denken?
So ein quatsch, ich bin völlig normal im Kopf, sagte er laut, nur um eine Stimme zu hören. Sollte ihm der Hunger nicht das Leben kosten, würde er womöglich verrückt werden und sich einfach von einem der zahlreichen Treppen und Stegen ins scheinbare Nichts fallen lassen?
Er konnte es unmöglich sagen, doch wurden all diese Überlegungen auch von einer neu hinzugekommenen Empfindung verdrängt: Das Bedürfnis nach Abluft, welches auch eine Art von Hunger war, jedoch nicht auf physischer Ebene, sondern, und das war in gewisser Weise viel quälender, in seinem Kopf. Die Gewissheit, nur wenige Dutzend Stufen von einem Abluftrohr entfernt zu sein, gab ihm neue Kraft.
08.08.2008, 18:29 Uhr Anzeigen
# 24
Nachricht offline
Bullsquid
1.800 Punkte
Dabei seit: 15.07.2008
856 Beiträge
Schick.

Ich hoffe auf eine Tiefere Auflösung die dann alles erklärt (ich muß iwie die ganze zeit an Apeture Science denken) und nicht das es einfach ein mystischer raum ist. Aufjedenfall sehr gut geschrieben. :)
10.08.2008, 22:36 Uhr Anzeigen
# 25
Nachricht offline
Alien Grunt
3.893 Punkte
Dabei seit: 22.02.2008
1.269 Beiträge
Zitat:
Original von Larkus

(ich muß iwie die ganze zeit an Apeture Science denken)


Ich auch, komisch eigentlich...das Szenario ist ja ein ganz anderes
18.08.2008, 12:04 Uhr Anzeigen
# 26
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Zitat:
Original von Tomahawk

Zitat:
Original von Larkus

(ich muß iwie die ganze zeit an Apeture Science denken)


Ich auch, komisch eigentlich...das Szenario ist ja ein ganz anderes


Ihr habt recht, APS hatte ich schon lange im Hinterkopf, was die Stimmung betrifft. Der nächste Teil ist schon in Arbeit, möglicherweise heute Abend fertig.
18.08.2008, 15:39 Uhr Anzeigen
# 27
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Schritt für Schritt tastete er sich voran, in leicht gebückter Haltung, als würde ihm die Nähe zum Boden zusätzliche Sicherheit verleihen. Es dauerte nicht lange, bis er am Rohr ankam. Es war auf Höhe seiner Brust, sodass er sich direkt daran klammern konnte, wie ein Ertrinkender. Der Stahl war kühl und schien zu vibrieren, genau in derselben Frequenz wie der über allem schwebende Brummton, den er mittlerweile gar nicht mehr bewusst wahrnahm.
Er öffnete die kleine Klappe, die sich direkt vor seinem Gesicht befand und sah einen Moment in die Dunkelheit der Röhre. Dann tauchte er, ohne weiter zu zögern, sein Kinn und seine Nase in die Öffnung. Mit heraushängender Zunge und weit aufgerissenem Mund nahm er den ersten Zug.
Es war unbeschreiblich. Unzählige Duftnoten explodierten in seinem Riechorgan und vor seinen Augen begannen wilde Farben zu tanzen. Er war erschrocken, aber konnte sich nicht bewegen – sein Körper schüttelte sich in Krämpfen der Verzückung. Das Rohr stand unter Druck, sodass die Abluft regelrecht in seine Lungen gepumpt wurde, und im Gehirn sofort ihre Wirkung zeigte. In seinem ganzen Leben hatte Alfred noch nie so intensiv empfunden wie in diesem Moment. Seine Nervenenden schienen zu vibrieren und er hatte den Eindruck, mit dem ganzen Körper zu riechen und nicht nur mit der Nase. Der Geruch – wobei dieser Ausdruck für den ihm sich bietenden Sinneseindruck völlig untertrieben war – ließ sich mit nichts vergleichen, was ihm jemals in die Nase gestiegen war. Er ähnelte nichts Bekannten und zugleich jedoch in gewisser Weise allem. Es war, als würde er eine Farbe sehen, die noch nie ein Mensch erblickt hat.
In seinen Ohren brauste es und sein Sichtfeld bestand weiterhin aus einem unbeschreiblichen Farbenbrei, der im Takt einer Melodie zu pulsieren schien, die jetzt plötzlich in seinem Kopf ertönte. Er wusste nicht, ob sie aus dem Rohr kam oder ob es womöglich nur Einbildung war – denn seine Umgebung schien sich aufgelöst zu haben. Er hatte das Gefühl zu schweben und zu fallen, womöglich war er von der schmalen Treppe gestürzt.
Dies alles schoss ihm in Sekundenbruchteilen durch den Kopf, aber ihm kam es vor wie ein Jahrhundert. Es war unmöglich zu sagen, ob er noch zittern und das Rohr umklammernd da stand, mit der Nase im Abluftstrom, oder ob er schon auf dem Schachbrettboden aufgeschlagen war und die psychedelischen Farben, die vor seinem inneren Auge nun immer greller wurden, nichts anderes waren, als der Tod selbst.
Dann, mit einem Schlag, setzte jegliche Sinneswahrnehmung aus und Alfred fiel in eine tiefe Ohnmacht.

Die Schwärze dauerte eine Unendlichkeit.
Schließlich, nach unsagbar langer Zeit, spürte er Licht jenseits seiner geschlossenen Augenlieder. Eine brüske Stimme sagte: „Verabreicht eine Injektion Dihydrocodein in den rechten Schädellappen. Möglicherweise müssen wir den Knochen noch einmal öffnen. Es ist…“
Ohne zu einem Gedanken fähig zu sein, dämmerte er wieder hinweg in das Meer aus Dunkelheit.
19.08.2008, 01:55 Uhr Anzeigen
# 28
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Ich war fleißig. ^^



Nach einer weiteren, undefinierbar Langen Zeitspanne erwachte er. Mattes Neonlicht drang in seine Augen. Es war irgendwie anders, als das, was ihn aus seiner vorherigen Ohnmacht geweckt hatte. Wie, das vermochte er nicht zu sagen.
Ihm war schwindelig und er konnte nicht bestimmen, ob er stand oder lag. Vor ihm war eine weiße Wand mit langen, gleißend weißen Leuchtstoffröhren. Einen Moment später wurde ihm klar, dass es keine Wand, sondern die Decke war und dass er selbst am Boden lag. Er drehte den Kopf zur Seite.
Nein.. NEIN! Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit schrie Alfred.
Was er erblickte, war nichts anderes als das ewige, schwarzweiße Schachbrettmuster, das für ihn mittlerweile zum Symbol seiner Gefangenschaft in diesen Räumen geworden war. Es füllte Millimetergenau passend einen Gang aus, dessen Ende in beide Richtungen nicht absehbar war, der allerdings zu Alfreds Erleichterung zahlreiche Türen aufwies, von denen Manche sogar offen standen. Dies würde ihm hoffentlich ein Entkommen aus diesem schier endlosen Korridor ermöglichen.
Endlich raffte er sich auf und kam mühsam auf die Beine. Das Schwindelgefühl war noch nicht ganz verschwunden, aber schon wesentlich erträglicher. Überraschenderweise, so bemerkte er jetzt, war der Hunger, den er kurz vor seinem Ablufterlebnis verspürt hatte, völlig verschwunden. Waren das möglicherweise Nachwirkungen seiner Bewusstlosigkeit?
Plötzlich schossen ihm Wortfetzen in den Kopf und unterbrachen den Gedanken:
„….Injektion Dihydrocodein …. Schädellappen. Möglicherweise …. Knochen noch einmal öffnen. Es ist…“
War das wirklich passiert? Wer hatte diese seltsamen, beunruhigenden Sätze gesagt?
Das Abluftrohr und der Rausch, fiel es ihm ein. Was war passiert? Er erinnerte sich daran, das Bewusstsein verloren zu haben, aber demnach müsste er tatsächlich von der Treppe gestürzt und so am unsagbar tiefen Boden aufgeschlagen sein.
Immer mehr drängte sich ihm de Gedanken auf, dass all dies möglicherweise nicht real sein könnte und er in Wirklichkeit entweder wirklich tot, im Koma befindlich oder sogar geisteskrank sein könnte. Dunkel erinnerte er sich an den Beginn dieses mittlerweile schon so lange andauernden Malheurs. Wie er da vor den Türen des Kaufhauses gestanden hatte… Das war definitiv real gewesen. Ebenso das Herumirren in den Kaufhausgängen, welches darauf folgte.
Aber es war sinnlos, so sagte er sich, darüber weiter nachzudenken. Es war ausgeschlossen, dass es aus diesem Komplex keinen Ausweg gab. So unglaublich das alles auch war – irgendjemand musste all dies geplant und gebaut haben. Also musste es auch eine Möglichkeit geben, zu entkommen. Diese Überlegungen führten auf die Frage, wer der Verantwortliche war. Ein Regierungsprojekt? Eine Geheimgesellschaft? Möglicherweise außerirdische Lebensformen? In der Regel konnte Alfred solchen Verschwörungstheorien nichts abgewinnen. Da fiel ihm dunkel ein, wie er in dem Lagerraum diese Akte in der Hand gehalten hatte… Dort war von einem „Vril-Projekt“ die Rede gewesen, aber er hatte keine Zeit gehabt, weiter darüber nachzudenken, als plötzlich die Glühbirne ausgefallen war. Jetzt aber, wo er in Ruhe seine Erinnerungen durchforstete, war er sich sicher, diesen Begriff schon irgendwo einmal gehört zu haben. Es hatte etwas mit dem dritten Reich zu tun und geheimen Technologien.
Ihm wurde bewusst, dass er nun schon viele Minuten bewegungslos in dem Gang stand. Er ermahnte sich, endlich weiterzugehen, denn der Plan war nach wie vor klar: Dem Brummen folgen, welches mittlerweile so laut war, dass es nicht mehr aus dem Bewusstsein zu verdrängen war. Also hatte er sich dem Ort, von dem es ausging, deutlich angenähert und diese Tatsache trieb ihn nun mehr an als bisher. Angestrengt hörte er sich um, um zu entscheiden, ob er den Gang lieber nach rechts oder nach links weiter gehen sollte. Das Brummen schien aus beiden Richtungen gleich laut, jedoch gab es in der Gangrichtung zu seiner rechten mehr Türen, die er zu öffnen versuchen konnte, also entschied er sich für diese Möglichkeit. Seine Absätze klackten leise und gedämpft auf dem Schachbrettboden, dessen Weiß so makellos rein- und dessen Schwarz so abgrundtief war wie die Zeit selbst.
Alfred zuckte zusammen und lauschte erneut. Da war etwas!
Schwach und gedämpft, wie durch eine Wand hindurch, aber dennoch vernehmbar hatte in seiner Nähe eine Melodie eingesetzt, gespielt auf einem Klavier. Sofort wusste er, wann und wo er sie schon einmal gehört hatte: In seinem Abluftrausch. Sie war ungemein faszinierend und kaum zu beschreiben. Das sich ständig in veränderter Form wiederholende Motiv berührte sein Innerstes, was erschreckend und schön zugleich war. Wie angewurzelt blieb er stehen, jedoch nur für einen Moment.
Dann preschte er durch eine angelehnte Tür zu seiner Linken, denn aus dieser Richtung vernahm der die Klaviermusik.
Schließlich verhielt es sich so: Wenn hier eine Melodie erklang, musste es jemanden geben, der sie spielte, und ganz egal, wer das war, vermutlich würde er ihm sagen können, wie er hier raus kam.
Der Raum, in dem er sich nun befand, war zu seiner Überraschung mit Bücherregalen ausgekleidet. Lediglich auf der gegenüberliegenden Seite war in der Wand eine freie Stelle und in ihr lag glücklicherweise eine Tür. Sie unterschied sich deutlich von den gesichtslosen, restlichen Türen, da sie aus massivem Eichenholz war. Im Sprinttempo rannte Alfred auf die zu, da er mit fast absoluter Sicherheit hinter ihr die Quelle des Klavierspiels vermutete.
Er stieß sie auf und fand sich in einem weiteren, ähnlich großen Raum.
Und tatsächlich – in seiner Mitte stand ein schwarzer Flügel, mit einem kleinen Hocker auf dem ein zierlicher Mann saß. Er hörte auf zu spielen und sah Alfred an. Sein Gesicht trug markante Züge: Eine niedrige, faltige Stirn, starke Augenbrauen, hinterlistige, grüne Augen und eine Hakennase. Das Alter war nicht klar zu bestimmen. Seine schmächtige Erscheinung war in einen schwarzen Frack gekleidet, sodass sich Alfred an einen Butler erinnert fühle.
Er war nicht in der Lage, etwas zu sagen und so ergriff der Mann das Wort.
Seine Stimme war überraschend sanft. „Haben Sie mich also endlich gefunden. Die anderen waren deutlich zielstrebiger. Nunja, das soll kein Vorwurf sein. Schließlich haben Sie sich im Treppenraum nicht für den Suizid entschieden wie Ihr Vorgänger.“
„Wer sind Sie?“ Endlich hatte Alfred seine Stimme wieder gefunden.
„Das tut nichts zur Sache. Der einzige Zweck meiner Anwesenheit, ist es, Ihnen einen Hinweis zu geben. Nur einen. Nicht mehr und nicht weniger. Merken Sie sich meine Worte.“ Der kärgliche Mann beugte sich auf seinem Klavierhocker nach vorne und sah Alfred mit stechendem Blick an. Dann sprach er mit eindringlicher Stimme:
„Finden sie den Autoklav.“
Mit einem Mal platze alles aus Alfred heraus. „WER SIND SIE?! WAS IST DAS HIER! LASSEN SIE MICH RAUS!!“, schrie er aus vollem Halse und begann, auf den Mann zu zu rennen. Dieser sprang geschickt von seinem Hocker auf, wuselte flink zu einer kleinen Tür direkt hinter dem Klavier, öffnete sie und war verschwunden. Alfred trat den Klavierhocker beiseite, sodass er gegen den Flügel prallte, was in einem dissonanten Dröhnen resultierte. Er hörte es nicht. Mit vollem Gewicht prallte er gegen die unscheinbare, weiße Tür, durch die der seltsame Mann das Zimmer verlassen hatte. Er rüttelte an der Klinke, aber sie war verschlossen. Wut kochte in ihm hoch. So leicht würde er es ihm nicht machen!
Er ergriff den Klavierhocker, der aus massivem, Holz zu bestehen schien und schlug auf die weiße Türe ein, wieder und wieder. Mit einem hässlichen Knirschen bekam sie einen schmalen Riss, als einer ihrer Balken splitterte. Also war sie doch wesentlich weniger stabil, als ihr Aussehen vorgab. Ein weiteres Brett splitterte und Alfred ermahnte seine unermüdlichen Arme, den Hocker abzusetzen. Beruhige dich, sagte er sich.
Er griff durch das selbst geschaffene Loch in der Tür, das gerade Breit genug für seinen Arm war und tastete nach der Klinke auf der anderen Seite.
[Beitrag wurde 1x editiert, zuletzt von Lamarr am 21.08.2008, 20:20]
20.08.2008, 00:35 Uhr Anzeigen
# 29
Nachricht offline
Alien Grunt
3.893 Punkte
Dabei seit: 22.02.2008
1.269 Beiträge
hammer geil geworden...bekam beim letzten Part voll die Gänsehaut. Heftige Spannung wird da durch die richtigen Worte und Satzbau aufgebaut...abermals: RESPEKT
20.08.2008, 00:44 Uhr Anzeigen
# 30
Nachricht offline
Thread-Starter
Ichthyosaur
10.124 Punkte
Dabei seit: 28.11.2004
2.897 Beiträge
Zitat:
Original von Tomahawk

hammer geil geworden...bekam beim letzten Part voll die Gänsehaut. Heftige Spannung wird da durch die richtigen Worte und Satzbau aufgebaut...abermals: RESPEKT


Vielen Dank. :) Die Geschichte strebt ihrem Höhepunkt entgegen.
20.08.2008, 11:09 Uhr Anzeigen
nach oben
116 Beiträge

Seiten (8):  « 1 [2] 3 4 ... 8 »


Gehe zu:  feed_mini Beiträge: RSS, RSS2, ATOM

Sections:  HLP  Board  Mods  Steam      Games:  HL  Op4  HLBS  HL2  HL2:Ep1  HL2:Ep2  Prtl  TF2  TFC  CS  DoD  L4D  Gunman
    USER ONLINE 
Insgesamt sind 21 Benutzer online. Davon sind 0 registriert:
    SITE OPTIONS 
- Zu Favoriten hinzufügen
- Als Startseite festlegen (IE only)
- Fehler auf dieser Seite?